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| Verhaltensforscherin mit Staubwedel |
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| "Mit Herz und Hirn": Petra Förster füllt zweimal den Schlosssaal |
| Mit dem Staubwedel in der Hand wirbelt Petra Förster geschäftig auf der Bühne herum. Wischt mal hier ein Stäubchen weg, räumt dort etwas auf. Und tratscht, was das Zeug hält: über moderne Kunst, die kein Mensch versteht, über "monochrome" Pinseleien und die Fettwanne von Joseph Beuys, über neugierrige Nachbarn, verrückte Tierliebe. Die geschwätzige Hausmeisterin, eine Art jüngere Else Kling des Kabaretts, ist eine echte Paraderolle von Petra Förster. Im Kittel, mit Perücke und Kopftuch, spielt sie diese aufgeregte Tratschtante, die zu allem Möglichen ihren Senf dazugibt. Eine umwerfend komische Glanznummer, mit der die Kabarettistin an zwei Abenden im zwei Mal ausverkauften Saal des Säckinger Trompeterschlosses begeisterte. Wegen des Riesenandrangs hatte es die Zusatzvorstellung gegeben. Eine weitere Paraderolle ist die renitente Rentnerin Annegret. Mit grauer Perücke, Omamantel, altmodischer Brille, Handtasche und Hütchen verwandelt sich Förster in diese resolute alte Dame, die so köstlich unverblümt über Sex im Alter, "innere Werte" und Senioren-Mobbing redet. Bei ihrem "Best of" aus 15 Jahren Kabarett hat die gebürtige Fränkin und Neu-Rheinfelderin die besten Szenen aus ihrer langen Bühnenkarriere harausgepickt und zu einem überaus witzigen, amüsanten und satirisch guten Programm "Mit Herz und Hirn" zusammengestellt. In diesem Jubiläums-Rundumschlag punktet die Kabarettistin wunderbar mit ihren vielen Talenten: ihrer verblüffenden Verwandlungsfähigkeit, ihren schauspielerischen Qualitäten, ihrer vielsagenden Mimik und Gestik, ihren entlarvenden Rollenspielen, ihrem frechen, ironischen Wortwitz. Sie kann superlustig sein, wenn sie in verschiedenste Rollen schlüpft wie in ihrer allerersten Nummer, wo sie diverse Teilnehmer einer Diskussionsrunde darstellt: Feministinnen und Therapeuten parodiert sie mit wenigen, aber genau treffenden Gesten, Jargons und Gesichtsausdrücken. Bingo! Da sitzt jede Pointe, jedes Wort, jede Mimik. Förster scheint selbst eine Verhaltensforscherin zu sein, denn sie nimmt die Spezies Frau und Mann sehr genau unter die Lupe. Rekordverdächtig schnell verwandelt sie sich in immer neue Figuren: mal gibt sie den "HellsAngel" an der Himmelspforte, der im Outfit eines Motorradfreaks die Verkehrssünder zur Raison bringt; dann den Geld-Guru im roten Umhang, der die "Lehre der vollen Börsen" und seinen Ratgeber "Harry Schotter und das Bankgeheimnis" anpreist. Zwischen diesen skurrilen Figuren und Sketchen taucht immer wieder Petra Förster "pur" auf, kommentiert ebenso ungeschminkt die politische und gesellschaftliche Lage. Die Bundeskanzlerin, Bush, die "Testosteron-Blondine" Edmund Stoiber, der "Kaiserschmarrn" Franz Beckenbauer, Papst Benedikt und die Kirche kriegen ihre spitzzüngige Schelte ab. Bissig, kritisch, zynisch. Eben Kabarett, bei dem man erst denkt und dann lacht. Apropos lachen: wer Förster als "königliche Hoheit" mit erlebt hat, mit dem Publikum als fähnchenschwingendem Volk, der hat sich im wahrsten Sinn königlich amüsiert! (Roswitha Frey, Badische Zeitung) |
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