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| Petra Förster: Eine Frau in 21 Rollen |
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Tagsüber ist sie Petra Förster, eine Frau mittleren Alters, kurze Haare, freundliches Lachen. Sie ist nett, adrett, eben eine Kabarettistin mit "Herz und Hirn". Doch sobald sie die Bühne betritt, Publikum sieht und das Lampenfieber spürt, melden sich noch genau 21 weitere Rollen, die in ihr schlummern und auf ihren Auftritt warten. Freitagabend, 19 Uhr. Obwohl noch eine halbe Stunde Zeit ist, drängt sich das überwiegend weibliche Publikum schon dicht im Ratssaal. Nicht zu weit vorne, damit man nicht unfreiwillig Teil des Bühnenprogramms wird, nicht zu weit hinten, damit man nicht nur die kunstvolle Hochsteckfrisur der Vorderfrau sieht. Zum dritten Mal ist Petra Förster nun in Plettenberg, feiert ihr 15. Bühnenjubiläum. Eine Zahlenkombination, die Erwartungen in den Zuschauern weckt und den Ehrgeiz der "Lachbeauftragten" schürt. Ihr Programm "Mit Herz und Hirn", schmeichelt eher der Spezies "Mann", beschäftigt sich nur am Rande mit den Macken der Frau und nimmt die unterschiedlichen zwischenmenschlichen Beziehungen herrlich amüsant auf die Schippe! Ärzte würden bei Petra Förster ohne Zweifel "leichte Züge von Schizophrenie" diagnostizieren. Sie verschwindet als Putzfrau hinter der Bühne, kommt als toter "Hells Angel"-Rocker wieder hervor, um wenig später alsQueen Mum das Plettenberger Publikum zum Fähnchen schwingen zu animieren. Ob als verwirrter Professor, Chauvinist, Feminist, zitternde Oma, gestresste und von Blasendruck geplagte Mutter oder als "vernachlässigte" Geschäftsfrau - sie wechselt schneller die Rollen als manch einer im Publikum über die Witze lachen kann. Jeder einzelne Charakter, ob Frau oder Mann, kann so überzeugen,dass der ein oder andere zu vergessen schien, dass in Wirklichkeit nur Eine, nämlich Petra Förster, auf der Bühne stand. Mit wenigen Requisiten, einer Vorliebe für doppeldeutige Wortakrobatik und einer gehörigen Portion Spontanität zog die "Frau aus Bayern" das Publikum und die Lacher auf ihre Seite. Auch die Plettenberger Gleichstellungsbeauftragte Christiane Wilk saß im Publikum, bekam mit einem Augenzwinkern die eine oder andere Idee mit auf den Weg. Wie wäre es denn mit einem "Städtischen Menstruationsseelsorge-Telefon" oder einer Selbsthilfegruppe für Männer in den Wechseljahren? ("Die glühenden Verehrer") Auch die Vier-Täler Stadt muss mal neue Wege gehen! Wer das für Unsinn hält, ist vielleicht von der nächsten Idee der zukunftsorientierten Kabarettistin angetan. Gesundheitssystem hin oder her, selbst ist die Frau. Wäre doch gelacht, wenn man an Hand einer nummerierten Schablone nicht den Blinddarm findet! Eine Art "operieren nach Zahlen" für besonders Harte. Es würde auch nicht wundern, wenn Besucher des Kabaretts kurzerhand ihre Beerdigungspläne über Bord werfen. anstatt "Ruhe in Frieden" könnten demnächst Sprüche wie "Liebe, Lust und Leidenschaft haben sie hinweg gerafft" auf dem Grabstein stehen. Nach zweieinhalb Stunden lachen, staunen und klatschen war auch dieser Abend wieder vorbei. Es hieß Abschiednehmen von der Putzfrau, der Oma, der Queen, dem Feministen - eben von Petra Förster und ihren gelebten und geliebten Rollen! (Plettenberger Rundschau) |
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