zurück

 

Urkomisch am Puls der Zeit
Geist, Witz und Verwandlungstalent

Was passiert, wenn ein Putzteufel in einem Museum dern Staubwedel zückt? Nicht nur Joseph Beuys bekommt sein Fett weg - im wahrsten Sinn des Wortes - sondern auch andere Formen moderner Kunst. Mit Perücke, Kopftuch und einer Aversion gegen Staub und Dreck wirbelt Petra Förster in ihrer Paraderolle als Hausmeisterin Rita über die Bretter in Celles Kunst & Bühne und tratschte sich ihr schnattriges Mündlein fransig.

"Frau Schnallenberger, machen Sie bitte das monochrome Gemälde sauber", wurde ihr aufgetragen. Und das hätte sie dann auch gemacht. Überhaupt sei so ein Anstrich für sie noch lange kein Bild - schlichte Ansichten, womit die geschwätzige Klatschbase sicher vielen aus der Seele redet.

Die gebürtige Fränkin, die in Rheinfelden lebt, besitzt Witz, Verwandlungstalent, schauspielerische Finessen und Geist. Hellwach wagt sie neugierige Blicke jenseits der Hauptader von Comedy und Kabarett. Die Schieflagen der Gesellschaft, die kleinen Nöte und großen Ängste deckt sie auf, ohne bierernst zu sein. Nur manchmal, da hört man ihn heraus, den leicht zynischen Unterton.

Ihre Stärke aber ist die sympathische, lustige, offene Art. Als renitente Rentnerin Annegret gackert sie über die "inneren Werte" des Menschen wie Blinddarm und Cholesterin, wettert über Seniorenmobbing und verrät das Geheimnis ihres Alters: Konservierungsstoffe und Überlebenstraining samt Wurmverzehr, nach dem Motto: "Lieber ich die, als die mich."

Das Beste aus 15 Jahren Bühnenkunst, "Mit Herz und Hirn", das bot Förster und auch ihre erste Nummer, den Gesprächskreis "Männer in Frauenprojekten". Wie Förster da hin und her wechselte zwischen der "Omma" mit dem "Käsekuchen", dem Fachmann für Mümmelmänner und anderer schräger Prominenz - herrlich. Einfach gekonnt.

Um den Bewerber um die "gehobene Stellung" bei der lüsternen Chefin Förster hatte an förmlich Angst. Zwischen Geld-Guru und Blasendruck, Hells-Angel an der Himmelpforte und Aufmarsch der Queen gab's ungeschminkte Politik. Opfer waren nicht nur Franz Beckenbauer und sein "Kaiserschmarrn" und Papst Benedikt.

Am Schluss, als Zugabe, dann noch mal Rita. sie verschlang ein Würstchen nach dem anderen und sinnierte Über Tierbestattung. "Für mich führt der Weg zur Delikatesse übern Kadaver", wurde die Unverbesserliche sogar ein Würstchen im Publikum los.

Es hagelte Applaus. Doch "dann ist das blöde Hauslicht ausgangen".

(Aneka Schult, Cellesche Zeitung)

 

 

zurück Seitenanfang